„Ich sehe meine Kinder nicht als Nachfolger“

Ein weit verbreitetes Thema für Firmeninhaber ist das der Nachfolge. In Deutschland steht allein zwischen 2014 und 2018 bei etwa 138.000 familiengeführten Unternehmen eine Firmenübergabe an. Dabei sind die Ausgangssituationen ganz unterschiedlich. Eine Aussage jedoch herrscht vor, wenn es um die Geschäftsübergabe an die Tochter oder den Sohn geht: „Ich sehe meine Kinder nicht als Nachfolger.“

 


Kinder sind keine Klone
Ein Problem vieler Unternehmer ist, dass sie nicht loslassen können. So, wie sie das Unternehmen bisher geführt haben, sehen sie als den einzig richtigen Weg an. Genauso erwarten sie die Weiterführung auch unter dem neuen Nachfolger. Der Sohn oder die Tochter sind jedoch kein Klon des Vaters.

Der, der es anders macht, ist möglicherweise Mitte 30, der Vater schon längst in Rente, traut jedoch seinem Nachkommen das nicht zu. Dabei kommt es nur darauf an, wie der Junior an seine neue Rolle herangeführt wird. Wird er frühzeitig mit dem Unternehmen und den Abläufen vertraut gemacht, wird der spätere Einstieg in die neue Rolle als Geschäftsführer viel einfacher laufen.

Von der Ausbildung in den Chefsessel?
Der Sohn oder die Tochter haben oft woanders gelernt oder studiert und kommen unvorbereitet und ohne jegliche Erfahrung in das elterliche Unternehmen. Ein solcher Einstieg ist suboptimal, denn das Wissen über die Abläufe wie auch die Probleme in den einzelnen Bereichen fehlt fast komplett. So etwas zu erlernen und damit umgehen zu können, braucht Zeit. Soll der Junior das Unternehmen übernehmen, sollte man beispielsweise mit kleineren Mandaten anfangen – und nicht nur fachlich, sondern auch in der Führung: Dann bekommt er beispielsweise Verantwortungsbereiche in der Fertigung, geht aber genauso in die Bereiche Buchhaltung rein, um zu lernen, wie man mit einer BWA steuert, aber auch um den Kontakt zu Dritten wie Steuerberater, Anwalt etc. zu bekommen. Er muss die Kunden kennen wie auch die Lieferanten.

Oft kommt es auch vor, dass die Nachkommen es anders machen, als der Senior. Da werden möglicherweise Dinge, die sich über Jahrzehnte bewährt haben, geändert. Der Senior sieht es oft nicht auf den ersten Blick, dass sich die Zeiten schon geändert haben.

Fehlendes Vertrauen in die Zukunft
Wir beobachten oft, dass sich Firmeninhaber keine Gedanken über die Zukunft machen. Das Tagesgeschäft braucht ihre ganze Aufmerksamkeit, die Prozesse laufen, die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Wenn dann plötzlich beispielsweise gesundheitliche Probleme auftreten, ist guter Rat teuer. Auf die Schnelle jemanden finden, der die Leitung übernimmt, ist eher schwierig. Wer hier rechtzeitig plant und einen potenziellen Nachfolger systematisch einarbeitet, wird im Fall der Fälle gut vorgesorgt haben.

Es braucht mehr als Fachwissen
Möglicherweise ist der gewünschte Nachfolger je nach Branche ein guter Maler und Lackierer, Bäcker oder Heizungsbauer, hat jedoch keine Erfahrung in der Akquise – was der Vater bisher grundsätzlich selbst in die Hand genommen hat. Dann muss der Junior nicht zwingend Akquise erlernen, sondern diese Aufgabe muss von jemand anderem im Unternehmen übernommen werden, der stark in der Akquise ist.

Nicht jeder Junior eignet sich als Nachfolger
Eines muss man ganz klar sagen: Nicht jeder ist als Nachfolger geeignet. Es macht keinen Sinn, jemanden in den Chefsessel setzen zu wollen, dessen Interessen ganz woanders liegen. Wer in einer Unternehmerfamilie aufwächst, kennt das Unternehmerleben. Fokussiert sich der Sohn oder die Tochter auf etwas ganz anderes, weil sie darin ihre Leidenschaft gefunden haben, ist das in Ordnung. Es gibt auch noch andere Möglichkeiten der Unternehmernachfolge.

Auf jeden Fall empfiehlt sich das Gespräch mit dem Junior und die Frage nach dem Warum. Wie auch immer die Antwort ausfällt, gibt es Möglichkeiten, um das Unternehmen später in guten Händen zu wissen.

Die folgenden Schritte können einen Einstieg in das elterliche Unternehmen erheblich vereinfachen:

  1. Machen Sie sich frühzeitig Gedanken über Ihre Nachfolge und legen Sie einen Termin fest, wann das geschehen soll, denn Ziel bedingt Zeit.
  2. Wenn der Nachfolger sagt, er kann oder will das nicht, stellen Sie die Frage nach dem Warum. Sie werden dann möglicherweise feststellen, dass Ihr Kind das nicht formulieren kann, weil es meist ein Gefühl ist. Gehen Sie dem nach.
  3. Trauen Sie Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter möglicherweise selbst nicht zu, das Unternehmen einmal von Ihnen zu übernehmen, dann sagen Sie es offen und bieten ihnen an, bei der Suche nach einem passenden Job behilflich zu sein.

Sie kennen solche und ähnliche Situationen mit Unternehmensnachfolge? Sie haben es selbst schon erlebt oder stecken mittendrin? Bloggen Sie mit!